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Die figürlichen Skulpturen des Legionslagers von Vindonissa |
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ZusammenfassungIn der internationalen Reihe "CSIR" (Corpus Signorum Imperii Romani - Corpus der Skulpturen der römischen Welt) wurde nun auch die figürliche Steinplastik des Legionslagers von Vindonissa systematisch aufgearbeitet. In der vorliegenden Publikation findet der Leser neben einem ausführlichen Katalog eine Synthese, in der Datierungsanhalte, Werkstätten, Beeinflussung der Skulpturenproduktion sowie Aufstellungsfragen und mögliche Auftraggeber zur Sprache kommen. Dank intensiver Archivarbeit konnte die beachtliche Gesamtzahl von 63 figürlichen Skulpturen erfasst werden, 16 davon sind verschollen und nur noch bildlich oder in Notizen überliefert. Obwohl die erfassten Steindenkmäler nur einen kleinen Teil der ursprünglich vorhandenen, wohl dann vorwiegend in Kalköfen zu Kalkmehl verbrannten Plastik bilden, stellen sie einen repräsentativen Querschnitt durch die Skulpturenproduktion von Vindonissa dar. Die frühesten Aufzeichnungen zur figürlichen Plastik von Vindonissa reichen zurück in die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Schon damals erweckte der in der Kirche von Windisch als Spolie vermauerte Merkurstein das Interesse der Humanisten Aegidius Tschudi und Johannes Stumpf. Neben der für ein Legionslager typischen Plastik mit militärischer Thematik, Weihungen an Victoria und Mars, Schrankenplatten mit Soldaten- und Triumphaldarstellungen, einer Bauinschrift mit Capricorn (Ziegenfisch), dem Emblem der 21. Legion und Soldatengrabsteinen, begegnet uns auch Idealplastik, die in Abhängigkeit von griechischen Vorbildern steht. Die in den Lagerthermen aufgestellten Satyr- und Athletenstatuetten (?) und ein Brunnenlöwe aus dem frigidarium sind eher im Fundkontext einer Zivilstadt zu erwarten. Erstmals gelingt es, figürliche Skulpturen bereits in die Zeit der 13. Legion (zwischen 17 und 45 n. Chr.) zu datieren. Dabei handelt es sich um Grab- und Brunnenplastik. Beachtung verdient vor allem der Rest eines Grabmalaufsatzes in Form eines Meerwesens, der wohl einst einen stattlichen Nischengrabbau an der nördlichen Gräberstrasse in Brugg bekrönte. Die bisher späteste figürliche Skulptur von Vindonissa ist das Fragment eines pulvinus (rollenförmiger Aufsatz) mit Juppiter-Ammon oder Widderkopf von einem monumentalen Grabaltar. Dieser muss kurz vor dem Abzug der 11. Legion um 100/101 n. Chr. entstanden sein und ist somit früher anzusetzen als die Grabaren im Rheingebiet. Für grössere Skulpturen wurde zumeist der regional vorkommende Mägenwiler Muschelkalkstein verwendet, für kleinformatige, gelegentlich aber auch für qualitativ gute, grössere Statuetten oder Statuen der aus Lothringen eingeführte Savonnière-Kalk. Von besonderem Interesse ist, dass letzterer offenbar in genormten, vorfabrizierten Stäben zur Herstellung von kleineren Votiven nach Vindonissa gelangte. Kat. Nrn. 1-5, die aus diesem Vorfabrikat gefertigt sind, dürften aus derselben Werkstatt stammen. Im Lagerareal von Vindonissa sind ungewöhnlich viele unfertige Skulpturen zum Vorschein gekommen. Sie belegen einerseits, dass die Skulpturen in Vindonissa selbst hergestellt wurden, andererseits veranschaulichen sie die verschiedenen Arbeitsgänge bei der Herstellung einer Skulptur. Einflüsse aus Oberitalien und dem Rheinland lassen sich vor allem an der Grabplastik ablesen. Ein eindrückliches Beispiel ist der Grabstein des M. Luxonius Festus von der 11. Legion, die zwischen 70 und 100/101 n. Chr. in Vindonissa stationiert war. Die Stele dieses aus Este (bei Padua) stammenden Legionärs entspricht typologisch einer im nordostitalischen Gebiet geläufigen Grabsteinform. Die engen Kontakte zu den rheinischen Legionen zeigen sich vor allem in der Übernahme der dort vorherrschenden Grabmalformen, den Reiter- und Totenmahlgrabsteinen. Dass mit umherziehenden Legionshandwerkern gerechnet werden muss, zeigen die engen Werkstattsbezüge zwischen dem Soldatenkopf auf der Schrankenplatte Rat und dem auf einem Totenmahlrelief aus Xanten (Vetera) in Bonn. Der Grabstein des M. Iulius Maximus überliefert uns einen Legionshandwerker, der als Baufachmann (structor) bei der 11. Legion tätig war. Insgesamt weist die Skulpturenproduktion von Vindonissa ein durchschnittliches bis gutes Niveau auf. Qualitativ herausragende Skulpturen sind der Grabmalaufsatz Kat. Nr. 19, die Idealplastik aus den Lagerthermen und der Capricorn auf einer Bauinschrift der 21. Legion von 30/5 1 n. Chr. Das zuletzt genannte Relief ist die bisher einzige genau datierbare figürliche Skulptur aus dem Legionslager von Vindonissa. Im Vergleich zu den Zivilstädten Aventicum und Augusta Rauricorum mit qualitativ meist hochstehender Plastik wird ein Qualitätsgefälle deutlich. Auffallend ist auch, dass in Vindonissa - anders als an den beiden genannten Orten - importierte Marmorplastik weitgehend oder ganz fehlt. Unter den inschriftlich genannten Auftraggebern, Stiftern und Bauherren sind uns Heeres- und Legionskommandanten, Legionäre und Veteranen bekannt. Die prominenteste Persönlichkeit ist Pomponius Secundus, der Legat des obergermanischen Heeres, der auf einer Bauinschrift mit Capricorn, dem Wappenzeichen der 21. Legion, genannt wird. Die leider keinem bestimmten Gebäude zuweisbare Bauinschrift stammt ohne Zweifel aus hochoffiziellem Kontext. |